Eine Welt ohne Geld

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Heutige Philosophen und Denker sehen den Beginn eines neuen Zeitalters anbrechen, den des planetarischen Zeitalters. Die Menschheit ist erstmals in der Lage, sich von der Schwerkraft zu befreien, unseren Planeten von außen zu betrachten und seine Zerbrechlichkeit zu erahnen. Dazu kommt, dass wir durch den technischen und wissenschaftlichen Fortschritt heute in der Lage wären, allen Menschen auf der Erde ein Leben ohne Not zu ermöglichen. So etwas gab es noch nie. Die Menschheit ist bereit für einen großen Schritt hin zu einer neuen Qualität des Zusammenlebens.

Es passieren merkwürdige Dinge in diesen Tagen. Wer hätte noch vor einiger Zeit gedacht, dass mit einem Male beinahe alle acht Milliarden Menschen auf der Welt wie selbstverständlich mit Mund- und Nasenbedeckung herumlaufen.

Vielleicht passieren noch ganz andere merkwürdige Dinge. Zum Beispiel, dass alles Geld auf der Welt plötzlich verschwindet. Wäre das schlimm?

Versucht einmal zu träumen. Was würde passieren? Jeder geht wie gewohnt auf Arbeit oder erledigt seine täglichen Pflichten nur bekommt er kein Geld. Abends geht er ins Geschäft und holt sich dafür unentgeltlich das was er zum Leben braucht. Einfach deshalb, weil Bauern, Lebensmittelverarbeiter, Näher*innen, Kraftfahrer, Verkäufer*innen auch unentgeltlich gearbeitet haben.

Ihr denkt vielleicht, wer würde denn dann noch arbeiten?

So wie wir jetzt Mund und Nase bedecken um uns und andere zu schützen, werden wir auch dann ganz selbstverständlich unsere täglichen Pflichten erfüllen, um uns und andere zu ernähren und zu versorgen. Das ist angeborener Selbstschutz. Das Verhalten aller Menschen auf der Erde beim Lockdown ist der Beweis dafür, dass wir die nötige Disziplin haben. Es gibt keinen Grund mehr, daran zu zweifeln.

Aber werden wir dann nicht aus den Geschäften mitnehmen, soviel wir tragen können, wenn alles kostenlos ist?

In unserer jetzigen Gesellschaft ist alles begrenzt. Das ist das Wesen des Marktes. Wir sagen: „Das Auto ist zu klein, es gibt nicht genug Platz zum Wohnen, unser Kind hat zu wenig Spielzeug. Wir könnten viel mehr haben, wenn wir mehr Geld verdienen würden.“

Die begrenzte Menge an Geld ist wie ein Korsett und wir drücken automatisch dagegen an. Wenn das Geld weg ist, wird auch der Drang verschwinden, immer mehr haben zu wollen.

Wir dürfen uns die Gesellschaft auf Freiwilligkeit nicht vorstellen wie die Schlacht am kalten Buffet oder den Black Friday, wo man etwas zeitlich eng begrenzt (fast) kostenlos bekommt.

Diese neue Gesellschaft hört nicht auf. Es ist eher wie ein entspannter All-Inclusive-Urlaub. Bis zum Ende ist alles garantiert gratis.

Niemand wird sich mehr anstrengen, wenn Leistung nicht bezahlt wird!

Das denken wir, weil wir so erzogen sind. Aber wie sind wir wirklich? Haben wir uns in der Schule tatsächlich mehr angestrengt, wenn man uns Geld versprochen hat? Engagieren wir uns nicht für unsere Hobbys oft viel stärker als für unseren Beruf? Wikipedia – eine Plattform, die durch Freiwillige getragen wird. Manchmal bremst das Geld sogar oder hörten wir nicht schon den Satz: „Dafür werde ich ja nicht bezahlt!“.

Warum gibt es eigentlich einen Unterschied, ob man für Arbeit bezahlt wird oder ob man sie freiwillig tut? Ist es nicht viel wichtiger, dass die Arbeit erledigt wird, als dass sie bezahlt wird? Warum hat die Zeit, die man mit seinen Kindern verbringt viel weniger Wert als die Zeit, in der man am Fließband steht? Wenn das Geld weg ist, werden wir wirklich frei sein.

Warum wollen wir noch ewig erfolglos gegen die kämpfen, denen wirtschaftliches Wachstum und Überfluss wichtiger sind als die lebenswerte Zukunft ihrer Kinder und Enkel? Schuld ist das Geld und der Zwang, es immerfort vermehren zu müssen – egal was passiert.

Vielleicht wenden sich manche Dinge zum Schlechten, wenn das Geld abgeschafft ist aber es wird viel mehr Dinge geben, die sich zum Guten wenden. Denken wir nur an das Verschwinden von Menschen- und Drogenhandel, Preis-Dumping, Mietwucher oder Börsengeschäfte mit Lebensmitteln, obwohl viele Menschen hungern. Wahrscheinlich werden sogar die Kriege verschwinden, weil niemand mehr Geld mit Waffen verdienen kann.

Niemand muss mehr Angst haben vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, da alles Lebensnotwendige gratis zur Verfügung steht. Für jeden Menschen auf der Welt.

Warum?         Wie?         Was wird passieren?

Eberhard Licht
Brüssel

A world without money