Was wird passieren?

Zunächst wird nicht viel passieren, alles läuft ganz normal weiter. Der einzige Unterschied ist, dass kein Geld fließt. Die Menschheit hat beim Covid-19 Lockdown bewiesen, dass auch große Eingriffe in das tägliche Leben mit viel Disziplin gemeistert werden.

Die gesamte Gesellschaft wird sich wandeln. Der limitierende Gedanke: „Dafür werde ich nicht bezahlt, also mache ich es nicht.“ wird aus den Hirnen der Menschen verschwinden.

Unser Freizeitverhalten wird sich in zweierlei Hinsicht ändern. Anstatt in das Shopping-Center zu gehen, betätigen wir uns in Commons. Da die soziale Rangordnung verschwindet weil es keine „Reichen und Armen“ gibt, geht der Drang, Wert auf Äußerlichkeiten zu legen, zurück. Das Bedürfnis, shoppen gehen zu müssen, lässt nach. Natürlich auch, weil es keine Werbung mehr gibt.

Die Regelung der Versorgung, die jetzt durch den freien Markt mit all seinen Nachteilen wie Überproduktion oder Schaffung künstlicher Engpässe erfolgt, wird durch Kommunikation aller Beteiligten unter Aufsicht von Fachleuten übernommen.

Das was jetzt mit Industrie 4.0 angestrebt wird, um konkurrierende große Firmen wettbewerbsfähiger zu machen, wird dann zur allgemeinen Kommunikation miteinander und zum Wohle aller Menschen angewendet.

Kleine und mittlere Unternehmen werden zunehmend wie wirkliche Familienunternehmen geführt. Die Eigentumsverhältnisse sind klar und einfach und da der Wettbewerbsdruck entfällt, wird sich die Firmenleitung noch besser um das gute Arbeitsklima kümmern können. Ihr Lohn ist Anerkennung durch die Mitarbeiter, ein guter Lohn.

Große und globale Unternehmen werden in kleinere Unternehmen zerfallen. Menschen, die dadurch ihre Arbeit verlieren, werden in der Zivilgesellschaft tätig. Die Zivilgesellschaft wird sehr stark anwachsen, da es keinen Unterschied mehr zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit gibt. Jeder wird entsprechend seinen Fähigkeiten und Neigungen eine Tätigkeit dort finden.

Ähnlich wird es in der Landwirtschaft sein. Da auch hier der Wettbewerbsdruck entfällt und der Anreiz für das Management, mit Geld reich zu werden, werden die Felder und Ställe wieder kleiner werden. Mit der Zeit wird die Mobilität der Menschen wieder auf ein ruhigeres Maß zurückgehen. Dadurch werden große landwirtschaftliche Flächen, die jetzt für die Erzeugung von Biobrennstoffen gebraucht werden, für die Nahrungsmittelprodukton frei.

Da sich nichts an den Eigentumsverhältnissen ändert, wird es keine wirklich Benachteiligten geben, niemand muss Angst haben. Niemand muss beim Übergang in diese geldlose Gesellschaft enteignet werden. Eigentum, das man nicht braucht, wird von alleine abgegeben. Eigentümer großer Landflächen oder vieler Mietobjekte bleiben trotzdem Eigentümer dieser Immobilien. Aber sie sind kein Wertgegenstand mehr sondern werden zu einer Last, von der sie sich wahrscheinlich trennen werden. Sie würden nur so viel Land oder Wohnraum behalten, wie sie selbst bewirtschaften können. Eine Tonne Gold ist eine Tonne Gold. Da man für nichts etwas bezahlen muss, braucht man auch kein Gold als Wertanlage. Man wird das Gold zu Schmuck verarbeiten und diesen Schmuck verschenken, da es normal ist, zu verschenken und Geschenke zu bekommen. Oder man verarbeitet es zu Kontakten für elektronische Geräte.

Darüber hinaus wird eine große und starke Zivilgesellschaft dafür sorgen, dass Gebiete der Erde, die durch menschliche Tätigkeiten zu Wüsten geworden sind, wieder urbar gemacht werden. Das ist viel einfacher, als die Verwirklichung von real vorliegenden Plänen zur Besiedelung des Mondes oder des Mars.

Leistung entsteht durch Dankbarkeit und Freude, etwas für andere tun zu können. Diese Dankbarkeit wird die Menschen beflügeln und den Motor der Angst um den Arbeitsplatz oder der Gier nach mehr Lohn ersetzen. Freuen wir uns nicht oft mehr darüber, ein Geburtstagsgeschenk zu übergeben als darüber, es zu bekommen? Das ist ganz einfach eine menschliche Eigenschaft. Genau wie die, am liebsten alles gratis zu bekommen.

Welche Auswirkungen wird es für unsere Wirtschaft geben?

Man kann sich die Wirtschaft ganz trivial vorstellen wie einen Kreislauf:

Gewöhnliche Nahrungsmittel- und Konsumgüterproduktion, Handel und Konsum durch täglichen Bedarf.  

Im kleinen Kreislauf, dem einfachen „Markt“, konzentrieren sich fast alle materiellen Werte. In diesen Kreislauf wird nicht aktiv eingegriffen. Er funktioniert auch nach den Covid-19-Einschränkungen reibungslos (wenn man von Hamsterkäufen absieht). Er wird auch ohne Geld funktionieren, es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln.

Über diesem zur Versorgung der Menschen erforderlichen objektiven Kreislauf gibt es einen Subjektiven Kreislauf:

Der subjektive Kreislauf besteht hauptsächlich aus ideellen Werten wie Aktienkursen, Spekulationen mit Öl, Gas, Saatgut, Rohstoffen oder Geldflüssen, globalem Handel, multinationalen Bau- und Pharmaunternehmen, Rauschgift- und Menschenhandel etc. Dieser Kreislauf löst sich auf, wenn das Geld verschwindet. Das hat gewisse Auswirkungen auf den kleinen Kreislauf, da viele Dinge dann mit mehr Aufwand produziert werden müssen. Aber das wird auch wieder Beschäftigungsmöglichkeiten bieten. Sicher werden manche Dinge übergangsweise bzw. gefühlt knapper. Diejenigen, die das hauptsächlich betrifft – wir in den entwickelten Industriestaaten – leben jedoch im Überfluss, ohne dass wir glücklicher sind als vor einigen Jahren, als der Konsumstandard, den wir Lebensstandard nennen, viel niedriger war. Mit diesem Puffer könnten wir den Rückgang der Produktivität auf Grund der Verlangsamung des kleinen Kreislaufes durch den Wegfall des großen Kreislaufes abfedern.

Warum?         Wie?         Was wird passieren?

Eberhard Licht
Brüssel

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